Geschichte des Fleckens Horneburg

Altes Zollhaus
Altes Zollhaus

Der älteste bekannte Nachweis für eine Besiedlung des Horneburger Geestrandes zum Elbeurstromtal kann noch heute auf einem archäologischen Lehrpfad durch einige Großsteingräber westlich von Gut Daudieck besichtigt werden. Die Gräber datieren in die Zeit um etwa 3500 v. Chr., wie Grabbeigaben auswiesen.

Horneburg altes Außenlager
Horneburg altes Außenlager

Ein weiteres Gräberfeld mit ca. 6300 sächsischen Einzelgräbern liegt, heute nicht mehr erkennbar, wenige 100m westlich davon. Schließlich ist das mittelalterliche "wüste" Dorf INTEN in der Wegegabelung nach Issendorf und Helmste östlich des Gutes HORST als mögliche Vorgängersiedlung für Horneburg zu nennen.

 

Die Geschichte des heutigen Fleckens Horneburg ist bis ins 19. Jahrhundert mit der der Burgmänner auf Horneburg eng verflochten. Zunächst werden um 1200 zwei Ritterfamilien in Urkunden als Zeugen genannt. Sie sind dann seit 1255 Burgmänner auf Horneburg, nämlich die von Borch auf der Stader Geest und die Schulte von der Lühe im Alten Land.

Horneburg alter Hafen
Horneburg alter Hafen

Als Ministerialen des Erzabtes zu Harsefeld verwalteten sie Lehensgüter des Harsefelder Klosters und waren für seinen Schutz verantwortlich. Seit 1255, dem Gründungsdatum der Horneburg als Wasserburg an der Lühe am Fuße einer Geestzunge des Elbeurstromtales, waren sie gemeinsam mit den Rittergeschlechtern der Bachtenbroch und Zesterfleth u.a. auch Gerichtsherren des Horneburger Burggerichtes, des Gerichts auf dem Delm und des "siedesten Gerichts" zu Jork. Für den Bremer Erzbischof und das exemte Kloster Harsefeld hatten sie Steuern und Abgaben einzuziehen. Diese Aufgaben verhalfen ihnen in den nächsten 250 Jahren nicht nur zu Wohlstand, sondern schufen ihnen als Rittergenossenschaft der Burgmänner auf Horneburg auch zunehmend Handlungsfreiräume. Sie waren gemeinsam die Patrone der außerhalb der Burg gelegenen Horneburger und der Bliedersdorfer Kirche und durften mit Erlaubnis des Harsefelder Erzabtes auf den beiden sich in Horneburg kreuzenden mittelalterlichen Fernhandelswegen Wegezölle und Bieraccise (-steuer) erheben.

Burgmannshof
Burgmannshof

Die Burg an der Lühe bestand aus einer unbewohnten kreisrunden Hauptburg und der von den Burgmännern gemeinsam bewohnten Vorburg. Hauptburg und Vorburg waren jeweils mit einem acht Meter breiten Burggraben und je einer Zugbrücke mit den "Dämmen" zum Geestrand und der Marsch verbunden. Mindestens die Hauptburg dürfte auch über einen aufgeschütteten Burgwall verfügt haben. Die Hauptburg diente in kriegerischen Zeiten als Flucht- und Verteidigungsanlage, während sich auf der Vorburg Hausanlagen, neben dem Ritterhaus auch Gebäude für landwirtschaftliche Nutzung, befanden.

 

Westlich der Burg entstanden wohl bald nach der Burggründung entlang des Nord-Süd-Handelsweges die beiden Dämme Marschdamm und Vordamm (von "Furt" durch die Lühe). Hier wurden von der Burgmannschaft die für die landwirtschaftliche Nutzung ihrer Besitzungen notwendigen Meier und Kötner angesiedelt, um den Rittern Hand- und Spanndienste zu leisten und Steuern (z. B. den Zehnten) zu erwirtschaften.

Den endgültigen spätmittelalterlichen Flecken Horneburg bildete vermutlich um 1500 die Besiedlung der heutigen Langen Straße. Zu dieser Zeit verlassen nämlich außer der Familie der von Borch die Burgmänner die Vorburg und siedeln entlang dieser Straße, dem mittelalterlichen West-Ost-Fernhandelsweg.

Blick auf Gut von Düring-Ulmenstein
Blick auf Gut von Düring-Ulmenstein

Wenn nicht schon früher, so doch spätestens jetzt wird Horneburg auch ein Ort für ländliches Handwerk. Neben zahlreichen Herbergen und Ausspannen (Pferdewechselstationen) gibt es Fuhrleute, Gerber, Färber, Sattler, Schuhmacher, Leineweber, Stellmacher, Böttcher und Schiffer. Darauf deutet die bereits vielfache Nennung dieser Berufe in den Kirchenbüchern des 17. Jahrhunderts hin.

 

Das Wasser der Lühe speiste eine Mühle, die zum Burgmännerbesitz auf der Vorburganlage gehörte. Drei weitere Mühlen wurden nach dem Auszug der Burgmänner aus der Vorburg als Gutsmühlen gebaut und in Erbzins verpachtet.

Die zunehmende Produktion an landwirtschaftlichen und vor allem handwerklichen Erzeugnissen deckte nicht nur den Eigenbedarf, sondern fand ihren Absatz über die sich in Horneburg kreuzenden beiden Fernhandelswege und durch die sich zunehmend entwickelnde Flußschiffahrt auf Lühe und Elbe zur Versorgung Hamburgs.

Gertrudenkapelle und Alter Friedhof am Vordamm
Gertrudenkapelle und Alter Friedhof am Vordamm

Im Dreißigjährigen Krieg litt Horneburgs Bevölkerung besonders 1625 unter der Einquartierung der undisziplinierten Truppen des protestantischen Dänenkönigs Christian IV., Obrist des Niedersächsischen Kreises. 1627 nahmen Tillys Truppen das Erzstift Bremen-Verden ein. Horneburg wurde teilweise niedergebrannt. Am schrecklichsten traf es den Ort 1632, als die schwedische Armee Gustav Adolfs die Heerscharen Tillys aus Horneburg vertrieb. Außer dem Burgmannshof wurden fast alle Häuser ein Raub der Flammen.

Auch die Hauptkirche und die Gertrudenkapelle auf dem alten Friedhof am Vordamm wurden vernichtet. Schließlich ließ der schwedische Generalfeldmarschall von Königsmark 1645 auch die Horneburg selbst endgültig schließen.

 

Während der anschließenden schwedischen Herrschaft im Herzogtum Bremen-Verden kam es 1676 noch einmal zu kriegerischen Gewalttaten und 1712 zu einer Pestepidemie, bevor sich Horneburg in hannoverscher Zeit (1715 - 1866) als Bauern- und Handwerkerort erholen und aufblühen konnte. Ab 1730 fand der Absatz der vielfältigen Horneburger Handwerkerprodukte auch auf jährlich wiederkehrenden Märkten im Ort selbst statt.

Schloß und Schloßpark
Schloß und Schloßpark

Kleinere kriegsbedingte Episoden und die Zeit der französischen Besetzung überstand der Ort weitgehend unbeschadet. Jedoch nahmen ihm Verwaltungs- und Gerichtsreformen seit 1852 und die Auflösung des Amtes Horneburg 1859 seine Mittelpunktfunktion. Spätestens seit der Einverleibung in das Königreich Preußen 1866 ging die regionalpolitische Bedeutung des Ortes zurück. Lediglich seine auf alten Rechten beruhenden traditionellen Märkte und bescheidene Industrialisierungsbemühungen bewahrten ihm noch eine überörtliche wirtschaftliche Bedeutung, die ihren Schwerpunkt in der Lederherstellung und -verarbeitung und den Mühlenbetrieben hatte.

 

Die mittelalterliche Fernstraßenkreuzung war schon lange vorher nach Buxtehude und besonders Stade verlagert und hatte dort Anschluß an einen leistungsfähigeren Hafen und die Elbschiffahrt gefunden.